Eine Burg ist bei den Schlaraffen kein Gebäude, sondern ein Raum, den man sich nimmt. Meist ist es ein Saal in einem Gasthaus, den das Reych für seine Abende herrichtet und dem es einen eigenen Namen gibt. Die Salsungia nannte ihren Raum Seeburg — nach dem Burgsee, an dem Salzungen liegt.
Der Sächsische Hof, 1896 bis 1900
Die erste Seeburg lag im Hotel Sächsischer Hof. Dort fand am 24. Lenzmond 1896, also im März, die Eröffnungssippung statt. Eingeritten waren aus dem Mutterreych Meinungia die Herrlichkeit Hermandad, die Ritter Eckstein, Klitsch Klatsch Kladderadatsch, Saffian und Kotzebue sowie der Knappe 56. Gesippt wurde zunächst freitags um halb neun, ab dem Herbstmond 1896 dienstags, später um Glock neun.
Vier Jahre blieb das Reych in diesem Haus — die längste Zeit, die es an einem Ort verbrachte.
Das Hotel Hüttlinger, 1900/01
Zur Jahrung 1900/01 zog die Salsungia ins Hotel Hüttlinger. Es blieb eine kurze Station: Schon im Windmond 1901, also im November, wechselte das Reych erneut.
Das Hotel Wältz, ab 1901
Die letzte Burg war das Hotel Wältz nächst dem Bahnhof. Dort sippte das Reych bis zu seiner Auflösung 1904. Die Einladung zum fünften Stiftungsfest spricht trotzdem weiter von „unserer Seeburg“ — der Name war mitgewandert, was er bei den Schlaraffen immer tut. Er hängt am Reych, nicht an den Mauern.
Ein Haus dieses Namens hat es in der Salzunger Chronik noch zu einem zweiten Eintrag gebracht: 1924 wurde im Hotel Waeltz die erste Radioempfangsstation der Stadt betrieben. Ob es sich um dasselbe Gebäude handelt, ist naheliegend, aber nicht belegt — deshalb steht es hier nebeneinander und nicht als Behauptung.
Ein Salzungen, das gerade Räume bekam
Die acht Jahre der Salsungia fallen in eine Zeit, in der das gesellschaftliche Leben der Stadt sich Häuser baute. 1851 war das erste Kurhaus eingeweiht worden, 1868 ging die Vereinsbrauerei am See in Betrieb. 1905 folgte der Kursaal mit Theater am Kurhaus, 1919 ein Lichtspieltheater im Burgseehotel. Das Reych hat den größten Teil davon nicht mehr erlebt — es endete ein Jahr vor dem Kursaal.
Wer heute durch Bad Salzungen geht, sucht die drei Burgen vergeblich als solche. Sie waren nie Burgen aus Stein. Sie waren Säle, in denen an einem Abend der Woche das Ritterspiel galt.
Wer Bilder, Ansichtskarten oder Unterlagen zum Sächsischen Hof, zum Hotel Hüttlinger oder zum Hotel Wältz besitzt, möge sich bitte melden — sie gehören hierher. Die Angaben zum Reych stammen aus den Schlaraffen-Zeyttungen, die Angaben zur Stadt aus der Chronik der Stadt Bad Salzungen.