Geschichte des Reyches Salsungia in Bad Salzungen

Reych Nummer 130 · gegründet 7. März 1896 · erloschen 1904

Acht Jahre, mitten in der Blütezeit

Salsungia war der Name des Schlaraffenreyches in Salzungen — jedes Reych führt einen solchen Namen, meist die lateinische Form des Ortes. Acht Jahre lang wurde unter diesem Namen gesippt.

Am 7. März 1896 wurde in Salzungen das Schlaraffenreych Salsungia gegründet. Es erhielt die Nummer 130 im weltweiten Bund, führte die Reychsfarben Blau-Weiß, und sein Mutterreych war die Meinungia im nahen Meiningen.

Die Jahre um 1900 waren die Blütezeit der Schlaraffia. In der Jahrung 1897/98 gelangte das Reych Salsungia zur Sanktion — gemeinsam mit Londinium und Castellum Albiense, während Nordhusia ihr zwanzigstes Stiftungsfest beging und in Berlin die neue Burg der Berolina geweiht wurde. Eine kleine Kurstadt in Thüringen stand in derselben Liste wie London.

Ein Kranz für den Gründer

Am 7. April 1900 wurde in Tarimundis das Grabmal für Graf Gleichen enthüllt, den Gründer der Allschlaraffia. Die Reyche legten der Reihe nach ihre Kränze nieder: Berolina, Francofurtia, Hannovera, Rostochiensis, Moguntia, Wiesbadensia — und Salsungia, zwischen Magdeburgia und Carolsuhu. Für ein Reych, das keine vier Jahre alt war, ist das ein bemerkenswerter Platz.

Und dann das Ende

1904 löste sich das Reych Salsungia freiwillig auf. Kein Verbot, kein Skandal, kein Schiedsgericht — die Chronik der Allschlaraffia führt sie schlicht unter den Reychen, die sich in jenen Jahren auflösten, gemeinsam mit Hala Saxonum. Warum, ist nicht überliefert. In einer Stadt dieser Größe konnte schon der Wegzug einiger weniger genügen.

Acht Jahre schlaraffisches Leben also, und danach Stille. Die Nummer 130 wurde nie wieder vergeben.

Was Bad Salzungen mitbringt

Eine Kurstadt ist kein schlechter Ort für so etwas. Wo Gradierwerk, Kolonnaden und Burgsee die Tage entschleunigen, sind Menschen zusammengekommen, seit es die Sole gibt. Das ist genau die Zutat, die ein schlaraffischer Abend braucht: Zeit — und Leute, die bereit sind, sie miteinander zu verbringen.

Die Angaben stammen aus dem Verzeichnis erloschener Reyche sowie aus der gedruckten Chronik der Allschlaraffia. Wer Unterlagen, Bilder oder Erinnerungen zur Salsungia besitzt, möge sich bitte melden — wir nehmen sie gern auf.


Geschichte der Schlaraffia

Salsungia war ein Reych unter vielen. Die folgende Darstellung gilt für den ganzen Bund und erklärt, in welche Bewegung sich Bad Salzungen damals einreihte.

Historische Aufnahme einer Schlaraffia-Sippung

🦉 Schlaraffia in Zahlen: Gegründet 1859 · Über 200 Reyche weltweit · 5 Kontinente · Eine Sprache · Eine Gesinnung: Humor, Freundschaft und Kunst.

Die Wiege: Prag, 1859

Es begann mit einer Handvoll Künstler und Intellektueller im Prag des Jahres 1859. Schauspieler, Dichter, Maler – Menschen, die die Schwere der Zeit für einige Stunden ablegen wollten, um gemeinsam zu lachen, zu spielen und Freundschaft zu pflegen. Sie nannten ihre Runde schlicht: Schlaraffia.

Der Name war Programm: Das sagenhafte Schlaraffenland, jenes Land der Leichtigkeit und Freude, sollte für einige Stunden real werden. Kein Standesdenken, keine Hierarchie des Alltags – nur Spiel, Humor und Kunst.

Das Spiel breitet sich aus

Die Idee sprach sich schnell herum. Schon bald entstanden weitere Reyche in anderen Städten des deutschsprachigen Raums: Wien, Berlin, Hamburg, München. Mit der deutschen Auswanderungswelle im 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderte die Schlaraffia mit in die Neue Welt.

New York, Buenos Aires, São Paulo – überall dort, wo deutschsprachige Einwanderer eine neue Heimat suchten, gründeten sie auch einen Schlaraffen-Reych. Das Band der gemeinsamen Sprache und des gemeinsamen Spiels hielt sie zusammen – über alle Entfernungen hinweg.

Schlaraffia überlebt die Stürme der Geschichte

Zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Verbote – Schlaraffia hat vieles überlebt. In Deutschland und Österreich wurde die Vereinstätigkeit in den Kriegsjahren eingeschränkt oder unterbunden. Doch kaum war Frieden, lebten die Reyche wieder auf. Dieser Überlebenswille ist kein Zufall: Wo echte Freundschaft herrscht, findet sie immer einen Weg.

Besonders bemerkenswert: Während in Europa manches Reych temporär pausierte, lebte die Schlaraffia in Übersee ungebrochen weiter. Die Allschlaraffia – der weltweite Dachverband – sorgte für Zusammenhalt und Kontinuität.

Die Allschlaraffia – weltweiter Zusammenschluss

Alle Schlaraffen-Reyche der Welt sind in der Allschlaraffia zusammengeschlossen. Dieser Dachverband regelt die gemeinsamen Spielregeln, vergibt Reychs-Nummern und stellt sicher, dass ein Schlaraffe aus Tokyo bei einer Sippung in Frankfurt sofort zuhause ist.

Die Allschlaraffia hält damit etwas aufrecht, das in der modernen Welt selten geworden ist: Eine Gemeinschaft, die auf Werten gründet – nicht auf Profit oder Networking. Humor, Freundschaft und Kunst sind keine leeren Worte, sondern gelebte Praxis bei jedem Treffen.

Und heute?

In Bad Salzungen wird nicht mehr gesippt. In der Nachbarschaft schon — und wenn sich hier genug Menschen finden, ist auch hier nicht alles gesagt.